Die Deutsche Gesellschaft für Parodontologie, DG Paro, zieht auch für die Parodontologie in Deutschland eine positive Bilanz der EuroPerio10 in Kopenhagen. Beim weltweit führenden Kongresse für Parodontologie und Implantattherapie vom 15. bis 18. Juni 2022 waren nicht nur viele deutschen Referentinnen und Referenten dabei, es gab es auch deutsche Preisträgerinnen und Preisträger und Aktionen der DG Paro vor Ort.
Mehr als 7.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern aus mehr als 100 Ländern erlebten, dass die von der European Federation of Periodontology (EFP) organisierte EuroPerio die besten Vortragenden, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Klinikerinnen/Kliniker aus der ganzen Welt zusammenbringt. In den 41 wissenschaftlichen Sessions wurden Themen rund um die Parodontologie und Implantattherapie mit großem Belang für alle Gruppen behandelt, und viele der Vortragenden kamen dabei auch aus Deutschland.
Zwei Jaccard-Preise gehen nach Deutschland
Ebenfalls gingen zwei der bei der EuroPerio vergebenen Preise nach Deutschland. Der Jaccard/EFP-Forschungspreis für Parodontologie wurde 1995 von der EFP und der Jaccard Foundation (Universität Genf) mit dem Ziel ins Leben gerufen, die Forschung in Europa zu fördern. Der Preis wird alle drei Jahre auf der EuroPerio-Konferenz verliehen. In diesem Jahr ging der 1. Jaccard-Preis an Priv.-Doz. Dr. Raluca Cosgarea (Bonn) mit ihrer Arbeit „Clinical, microbiological, and immunological effects of 3- or 7-days systemic antibiotics adjunctive to subgingival instrumentation in patients with stage III/IV grade C: a randomised placebo-controlled clinical trial“. Dieser Preis wurde mit 10.000 Schweizer Franken dotiert.
Keine klinisch schlechteren Ergebnisse mit verkürzter Antibiotika-Gabe
Diese Studie bewertet die Wirkungen der Verabreichung von systemischen Antibiotika (Amoxicillin und Metronidazol) als Zusatz zur subgingivalen Instrumentierung über drei Tage statt über die typischen sieben Tage bei Patienten mit Parodontitis im Stadium III oder IV und Grad C. Sie ergab, dass es keine statistisch signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Gruppen gab. Das dreitägige Protokoll führt nach sechs Monaten zu „nicht schlechteren klinischen Ergebnissen“, mit weniger unerwünschten Ereignissen im Vergleich zum siebentägigen Protokoll.
Internationale Teamarbeit
Die Preisträgerin, bereits 2015 bei der EuroPerio8 in London unter den Finalisten, freute sich über diese besondere Auszeichnung: „Der Erhalt des Jaccard-EFP-Forschungspreises auf dem EuroPerio 10-Kongress in Kopenhagen stellt für mich die ultimative Anerkennung meiner Forschungsaktivitäten dar, die ich im vergangenen Jahrzehnt durchgeführt habe“. Die jetzt ausgezeichnete Studie sei das Ergebnis „exzellenter Teamarbeit“, die von den Universitäten Bonn, Marburg und München, Bern und Cluj-Napoca in ihrem Heimatland Rumänien sowie von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) geleistet worden sei.
Erste Frau unter den Jaccard-Preisträgern
Cosgarea ist die erste Frau, die diese Auszeichnung gewinnen konnte, so die EFP. Diese Auszeichnung sei „eine große Leistung und Ehre, die deutlich zeigt, dass alles im Leben erreicht werden kann, vorausgesetzt, man will es wirklich und arbeitet über die Jahre hart daran, es zu erreichen, und – was am wichtigsten ist – bekommt die Gelegenheit dazu“, so die Bonner Forscherin. „Die EFP hat mir diese Gelegenheit gegeben, wofür ich sehr dankbar bin. Diese Auszeichnung erfüllt mich mit Demut, motiviert mich und mein Team aber auch, auch in Zukunft hart für das Wohl unserer Patienten und der europäischen Parodontologie zu arbeiten.“
Greifswalder Studie mit dem 3. Preis ausgezeichnet
Der 3. Jaccard-Preis ging an Dr. Vinaj Pitchika (Greifswald). Seine Arbeit „Factors influencing tooth loss in European populations“ wurde mit 4.000 Schweizer Franken prämiert. Diese Studie zielte darauf ab, die Faktoren zu identifizieren, die die Veränderungen in der Anzahl vorhandener Zähne und der Anzahl gesunder oder gefüllter Oberflächen zwischen zwei Zeitpunkten beeinflussen. Die Forschung, die Querschnittsdaten aus bevölkerungsbezogenen Studien verwendete, ergab, dass Verbesserungen in der Aufklärung und im Bewusstsein für Mundgesundheit zu einer positiven Veränderung aller Ergebnisse führten, während eine Zunahme der Verwendung von elektrischen Zahnbürsten und der Interdentalreinigung ebenfalls einen signifikanten Einfluss zeigte.
Aktionen der DG Paro für ihre Mitglieder
Auch zu dieser EuroPerio hielt die DG Paro wieder Aktionen für ihre Mitglieder bereit. So wurden die Mitglieder am Freitag mit einem umfangreichen Lunchpaket versorgt, welches sie auf der zusätzlich verteilten DG Paro-Decke in der Sonne Kopenhagens genießen konnten. Weiterhin vergab die Gesellschaft zusammen mit dem Unternehmen Dentaid Reisestipendien für die EuroPerio10 in Höhe von jeweils 1.000 Euro, über die sich fünf junge Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler freuen konnten, heißt es im Bericht der DG Paro.